Die überwiegende Zahl der in Deutschland entwickelten Apps wird nach Einzelposten kalkuliert, so eine Erhebung von iBusiness. Die Preise schwanken dabei sehr stark, je nachdem für welche Zielplattform entwickelt werden soll. Vor allem eine Plattform ist besonders teuer.

Ganz einfach einen exakten Wert anzugeben für die Entwicklung einer App – das ist in etwa genauso schwer oder einfach, wie den exakten Durchschnittspreis für ein Auto anzugeben. Schließlich ist jedes Auto anders als das andere, jede App auch.

Doch ganz so schnell die Flinte ins Korn werfen muss man nicht. Denn natürlich weiß ein durchschnittlicher Autokäufer, dass kleine Cityflitzer zwischen 8.000 und 15.000 Euro kosten, Mittelklassewagen zwischen 15.000 und 50.000 Euro liegen und die Luxusklasse bei 40.000 Euro anfängt. Anhand dieser Daumenwerte können dann konkrete Angebote aus dem Autohaus oder dem Internet einsortiert werden.

Im Verhältnis zu Autos werden Apps für den Apple App Store, den Ovi Store von Nokia, die BlackBerry App World, der Microsoft Marketplace und der Android Market nicht einheitlich berechnet. Hier gibt es zwei Berechnungsverfahren:
– den Pauschalpreis und
– den Preis pro Funktion

Pauschalpreise schwanken stark

Es existieren inzwischen zahlreiche App-Baukästen – die Preise fangen hier bei null Dollar an, durchschnittlich aufgerufen werden Preise ab 2.500 Euro – und etwa 50 Prozent Aufschlag für jede weitere Plattform. Ältere Umfragen sind für Deutschland zu dem Ergebnis gekommen, dass selbst simple Anwendungen für unter 2.000 Euro quasi nicht zu entwickeln sind.

Die App-Honorar-Umfrage, die iBusiness im Frühling 2011 durchgeführt hat, kommt zu deutlich höheren Werten. Zwar gibt es einzelne Entwickler und Agenturen, die angaben, Apps auch für unter 1.000 Euro zu realisieren, die meisten Agenturen nannten jedoch in der iBusiness-Umfrage deutlich höhere Preise. Aus den kumulierten Angaben kann man folgende Mittelwerte errechnen:

Durchschnittspreise für App-Entwicklung

Einfache App:
Minimum: 760.- €
Durchschnitt: 16.500.- €
Maximum: 97.000.- €

Durchschnittliche App:
Minimum: 2.450.- €
Durchschnitt: 23.000.- €
Maximum: 105.000.- €

Komplexe App:
Minimum: 6.000.- €
Durchschnitt: 79.000.- €
Maximum: 520.000.- €

Entwicklung einer einfachen App
Beispiel: Eieruhr (Wenig Logik, wenig Bildschirme, kein Backend-Zugriff, vorwiegend Verwendung von Standartkomponenten zur Gestaltung des Layouts und Designs mit minimalen Anpassungen)

Entwicklung einer durchschnittlichen App
Beispiel: Where-is-my-car-App
(Kein eigenes Backend; evtl. Zugriff auf ein fremdes Backend; mehr Bildschirme, Menü, Konfigurationsmaßnahmen etc. als die einfache App; Verwendung von Standardkomponenten bei der Optik, deren Framework an ein eigenes Design angepasst wird)

Entwicklung einer komplexen App
Beispiel: EMail-Client; Online-Banking-App; neue, aufwendige Spiele
(Eigenes Backend; viel eigene Logik und Komponenten; noch mehr Bildschirme, Menüs, Konfigurationsoptionen; Maßnahmen zur Stabilität notwendig z.B. Verhalten bei Internetverbindungsabbruch etc.; Zusätzliche Komponenten zur Umsetzung nicht-unterstützter Bedienkonzepte wie Drag&Drop, Anpassung der Optik nach eigenem Wunsch, die über das bestehende Framework hinausgehen)

Konzeption und Frontend sind am teuersten

Bei allen drei App-Arten gehört die Frontend-Programmierung zu den kostspieligen drei Segmenten – allerdings unterschiedlich stark gewichtet. Liegt sie bei der Entwicklung einer einfachen und einer durchschnittlichen App jeweils auf Platz eins (durchschnittlich 2.550 Euro bzw. 3.500 Euro), so ist sie bei komplexen Apps mit 8.700 Euro nur drittteuerste Dienstleistung. Am aufwendigsten im App-Highend-Segment sind die Konzeption (13.000 Euro) und die serverseitige Programmierung (10.800 Euro).

Prototyp-Entwicklung (1.900 Euro) und Vermarktung (2.200 Euro) sind es, die bei der einfachen App ebenfalls stark zu Buche schlagen. Bei einer durchschnittlichen App-Entwicklung hingegen sind es Backendprogrammierung (2.800 Euro) und ebenfalls die Konzeption (2.650 Euro). Logisch: Je komplexer eine Anwendung wird, um so mehr Zeit und Geld muss man investieren in Konzept und Backend.

Windows Mobile 7 nur mit Schmerzzuschlag

Offensichtlich haben Deutschlands App-Entwickler wenig Lust, für das neue Mobil-Betriebssystem von Microsoft zu entwickeln. Zuschläge bis 200 Prozent verlangen Agenturen und Dienstleister, wenn ausschließlich für Mobile 7 entwickelt werden soll.

Im Durchschnitt verlangen Entwickler 41 Prozent mehr – das ist deutlich mehr, als sie für andere Plattformen verlangen. Apple schneidet hier am günstigsten ab. Beim iPad liegt der Zuschlag nur bei 14 Prozent, beim iPhone durchschnittlich sogar nur bei neun Prozent. Knapp ein Fünftel teurer ist die Android-Entwicklung im Schnitt, für Blackberry (plus 38 Prozent) und Nokias Symnbian (plus 32 Prozent) langen die Dienstleister kräftiger zu.

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn gefragt wird, welche Zuschläge verlangt werden, wenn eine App für mehr als ein Betriebssystem umgesetzt werden soll. Auch hier sind die beiden Apple-Geräte relativ am günstigsten: Jeweils ein Viertel mehr wollen die Dienstleister im Schnitt, wenn sie neben einer anderen Plattform auch eine App für iPhone oder iPad realisieren sollen.

Ebenfalls relativ günstig ist Android als Zweit-Umsetzungsplattform: 31 Prozent Aufschlag wird im Schnitt von den Entwicklungs-Studios verlangt. Windows 7 (36 Prozent Aufschlag), Blackberry (38 Prozent) und Symbian (39 Prozent) brauchen hingegen offensichtlich noch relativ viel Zusatzaufwand und sind deswegen entsprechend teurer.

Quelle + Grafiken: Hightext Verlag & www.ibusiness.de